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Im Rhythmus des Seins…   

Die in Stuttgart lebende Künstlerin Gisela Reich verzaubert die Besucher zurzeit im Lenninger Schlössle mit der Gemeindebücherei und dem Museum für Papier- und Buchkunst sowohl mit einer Ausstellung als auch mit einer Rauminstallation. In den Räumen der Gemeindebücherei überwiegen ihre dreidimensionalen textilen Wand- und Raumobjekte. Im Museum für Papier- und Buchkunst zeigt Gisela Reich, ganz im Sinn der Aufgabe des Museums, mehr Verständnis für den künstlerischen Umgang mit dem Material Papier zu wecken und dabei auch den Grenzbereich künstlerischen Schaffens und Experimentierens nicht auszusparen, eine Installation aus Papier. Die Kunst Gisela Reichs ist zeitintensiv – mehrere Schichten Farbe trägt sie auf zuvor zerrissenen, zerschnittenen und wieder zusammengefügten Stoffbahnen auf, in endlosen Wiederholungen aneinander genäht, bearbeitet, bemalt, geschliffen, zerschlissen, versteift mit Gips, um sie dann anschließend einzeln zu arrangieren. Die in Rollen aufgebrachten Materialien wirken abgelebt, benutzt, erinnern an oft durchblätterte Buchseiten oder Zettelkästen.  Der Arbeitsprozess selbst hat in seiner Monotonie etwas Meditatives. 

Gisela Reich lässt ihre Objekte wachsen, erweckt sie zum Leben, sie bilden Flächen, Wucherungen und Verästelungen, treten mit dem Raum in Verbindung. Die reliefartigen Werke scheinen wie zarte, zerbrechliche Blüten, Blätter, Kokons, zugleich aber auch wie versteinert, konserviert, im Wachsen erstarrt - eine Momentaufnahme, ein Hier und Jetzt. Die Wirkung der rhythmischen, immer wiederkehrenden Formen ist fast meditativ, beruhigend – das Auge kann sich im Schauen verlieren, findet so zur Ruhe zum Stillstand – vergisst Zeit und Raum. 

Gisela Reich formuliert es folgendermaßen: „Es ist der Rhythmus, der den Dingen und allen Wesen innewohnt, diese unendliche Bewegtheit im immerwährenden Werden und Vergehen“.  Beeinflusst von der Philosophie des Buddhismus und des ZEN ist das Thema ihrer Arbeiten die Zeit selbst, der Moment, das Jetzt. 

Nicht das äußere Erscheinungsbild, sondern die innere Gesetzmäßigkeit der Natur interessiert sie dabei. Jedes Blatt, jede Pflanze, jedes Wesen hat für sie einen eigenen Rhythmus. So kann die Natur verstanden werden als eine Kette von Wiederholungen des Immerselben, als Kreislauf einer Einheit von Geburt, Leben, Tod. Die Vergänglichkeit als Teil des Ganzen. Die transzendente Farbe (Nichtfarbe) Weiß, mit entsprechenden Abstufungen, dominiert bei ihrer Ausstellung – ganz selten rot. Für Gisela Reich ein bewusster und gewollter Verzicht auf  Naturnähe, der die beruhigende Wirkung ihrer Arbeiten noch verstärkt. Für Gisela Reich gilt Weiß  als der neutralste Farbwert und ist frei von Assoziationen zur dinglichen Welt.  Das Auge wird nicht abgelenkt- kann sich ganz auf die Form und den immer wiederkehrenden Rhythmus konzentrieren.

Auch bei ihrer Installation im Museum bleibt die Künstlerin ihrem Thema treu. „Zwischen … „ nennt sie ihr für das Museum konzipierte Werk aus 96 Papierstreifen. „Zwischen“ - „ zwischen Himmel und Erde“ – zwischen „Oben und unten“ – zwischen Menschen,  zwischen …. der fließende, schwebende Moment, der nicht ding- und zeitfest gemacht werden kann… ein schwebender Zustand, dort, wo scheinbar nichts oder alles ist …

 


 



 

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© Gisela Reich